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Geschichte des Instituts

Der Blick von Nordosten auf das Chemiegebäude.

Das Chemiegebäude an der Callinstraße

Etwa 7 bis 10 Gehminuten nimmt es in Anspruch, vom Welfenschloss durch den Prinzengarten zum Chemiegebäude an der Callinstraße zu gelangen. Erbaut wurde es in der Zeit von 1906 bis 1909, als Architekt trat Landesbauinspektor Friedrich Ebel auf. Der Bau war damit die erste Einrichtung, die räumlich getrennt vom Hauptgebäude entstand. Welfen- und Prinzengarten verwaltete seinerzeit der preußische Domänenfiskus - und dieser untersagte eine Überbauung der Parkanlagen, auch an den Rändern.

Abmessungen, Gliederung und der Detailschmuck der Fassaden erinnern an die imposante Weserfront von Schloss Vahrenholz bei Rinteln, die Nordstädter blickten von nun an auf ein "Renaissance-Schloss". Demonstrativ wendet sich die Straßenfront des Chemiegebäudes den um 1900 errichteten Mietshäuser zu, zur Parkseite hin begrenzten damals Kuhstall, Scheune und Gewächshäusern das Areal. 

An den 128 m langen, völlig symmterisch aufgebauten Hauptbaukörper schließt sich im Westen der Hörsaalbau an, in dem auch der reich verzierte, mit 268 Sitzplätzen augestattete Kali-Chemie-Hörsaal untergebracht ist. Im Osten errichtete man ein Kesselhaus, es musste erst 1992 dem Neubau an der Callinstraße 1 weichen.

 

Der restaurierte Kali-Chemie-Hörsaal, Blick vom Pult.
Der restaurierte Kali-Chemie-Hörsaal.

Ursprünglich beherbergte der Bau sämtliche chemische Disziplinen: Im Osten befand sich das Organisch-chemische Institut, es folgten das Technisch-chemische und Elektro-chemische und im westlichen Teil schließlich das Anorganisch-chemische Institut. Jedes dieser Institute besaß seinen eignen Zugang; die Eingänge liegen aber nicht an einem zentralen Ehrenhof sondern weisen zur Straße hin, teils mit aufwendigen Portalvorbauten ausgestattet. 

Bis heute sind die Praktikumslabore in zwei Hofflügeln untergebracht, die rechtwinklig an das Hofgebäude anstoßen. Geplant wurden sie damals nach dem Vorbild der neuen Institute an der Technischen Hochschule und Universität Berlin. Als Besonderheit übernahm man eine zweiseitige Beleuchtung durch Fensterreihen. Abgesehen vom großen Hörsaal kamen die anderen Räume mit einseitiger Belichtung aus. Dennoch wählte man die Mauerpfeiler so schmal, wie es die Statik gestattete, um möglichst viel Licht in das Gebäude zu lassen -  man gewichtete funktionelle Details stärker als künstlerische Gesichtspunkte. In der 1960er Jahren stockte man die Hofflügel auf, da es an Räumen mangelte, eben wurde der westliche Zwischentrakt zum Hof hin verbreitert. Hier ist heute unter anderem die Bibliothek des ACIs zu finden.

1928 wurde der Standort um einen Neubau für die Physikalische Chemie erweitert. Als "mit großen Mitteln auf das modernste eingerichtete Institut" beschrieb ihn seinerzeit der Architekt Franz Erich Kassbaum. Eigentlich beabsichtigte man, die Hofflügel des Hauptgebäudes bis an den Quader der Physikalischen Chemie zu verlängern und so ein geschlossenes Viereck zu erhalten - die parallele Ausrichtung der beiden Gebäude verdeutlicht dieses nicht realisierte Vorhanden.

Eine zusätzliche Erweiterung kam erst 1967 mit dem Neubau für die Organische Chemie, der den südwestlichen Abschluss zum Prinzengarten bildet; 1995 wurde der Neubau an der Ostseite des Geländes eingeweiht. Neben dem ACI haben dort auch die Physikalische und Technische Chemie zusätzliche Büros und Labore erhalten.

Am Institut wirkende Personen

Die 1831 gegründete und von Karl Karmarsch bis 1875 geleitete Polytechnische Schule wurde 1879 in den Rang einer "Königlichen Technischen Hochschule" erhoben. An ihr gab es zu diesem Zeitpunkt zwei Hochschullehrer für Chemie, Friedrich Heeren (1803-1885) und Karl Kraut (1857-1912). Neben der Betreuung einer noch kleinen Zahl von Chemie-Studenten hatten sie vor allem den Studenten des Bau- und Maschinenwesens die nötigen chemischen Kenntnisse zu vermitteln. So dominierten anorganische und anorganisch-analytische Themen in Forschung und Lehre.

1882 wurde die personelle Vertretung des Faches in Anorganische Chemie (Kraut) und Organische Chemie (Post) geteilt; man mag die beiden heutigen Institute auf dieses Datum zurückführen.

1895 wurde Karl Seubert (1851-1942) Professor für Anorganische und Analytische Chemie. In seine Amtszeit fällt die Errichtung des Gebäudes an der Callinstraße, das ursprünglich die gesamte Chemie beherbergte. Die wissenschaftlichen Arbeiten Seuberts waren von der Weiterentwicklung des Periodensystems der Elemente geprägt und befassten sich hauptsächlich mit der Bestimmung der Atomgewichte der Platinmetalle. 

 

Die hannoverschen Chemiker um 1900. In der Mitte (rechts) steht Karl Seubert.
Die hannoverschen Chemiker um 1900. In der Mitte (rechts) steht Karl Seubert.

Wilhelm Biltz (1877-1943) wurde 1921 Seuberts Nachfolger. Seine Untersuchungen zur "Raumchemie der festen Stoffe" sind ein grundlegender Beitrag zur modernen Festkörperchemie, die heute ein Forschungsschwerpunkt des Institutes ist. In der Lehre legte Biltz großen Wert auf eine Grundausbildung in analytischer Chemie, weil er überzeugt war, dass sauberes Arbeiten im Laboratorium gleich zu Beginn des Studiums gelernt werden müsse; einem Doktoranden das beizubringen sei kaum noch möglich. Die Ausbildung in präparativer Chemie, die mehr experimentelle Erfahrung erfordert, wurde von Biltz erst nach der Analytik durchgeführt: Dieses didaktische Konzept gilt noch immer!

Als sein Nachfolger wurde 1944 Werner Fischer (*1902) berufen, der sich zunächst mit den Bombenschäden am Institut und den Schwierigkeiten konfrontiert sah, nach Kriegsende Forschung und Lehre wieder in Gang zu bringen. Von seinem wissenschaftlichen Werk sei besonders die Verbesserung der damals extrem schwierigen Trennung der Seltenen Erden und von Zr / Hf mit Extraktionsverfahren erwähnt.

Der starke Ausbau auch des tertiären Bildungssektors seit Ende der 1960er Jahre führte 1970 zur Einrichtung eines zweiten Lehrstuhls für Anorganische Chemie am Institut. Hans Berthold, Hinrich Seidel, Martin Jansen, Gerd Meyer haben sie wahrgenommen; derzeit sind Michael Binnewies und Peter Behrens die Inhaber.

 

Die Arbeiten von Biltz im Archiv des Instituts.
Die Arbeiten von Biltz im Archiv des Instituts.

Seit 1962 gibt es Abteilungsleiter-Stellen für Spezielle Anorganische Chemie, besetzt mit Hubert Kühnl, Karl Wieghardt, Helge Willner, Werner Urland und derzeit Franz Renz . Anorganische und Analytische Chemie haben in Forschung und Lehre lange Zeit eng zusammengehört. Nach den zwei Privatdozenten Treumann und Eschweiler war Wilhelm Geilmann (1891-1967) seit 1923 als Analytiker am Institut tätig, von 1929 bis zu seinem Weggang 1950 als Professor. Auf ihn geht die auch heute noch am Lehrgebiet Analytik gepflegte Arbeitsrichtung der Spurenanalyse zurück. Schon Biltz hatte angestrebt, neben dem Lehrstuhl für anorganische Chemie einen solchen für Analytische Chemie einzurichten, und Fischer hatte diese Bemühung fortgesetzt. Helmut Bode wurde 1957 Abteilungsleiter und dann Inhaber des 1965 geschaffenen Lehrstuhles. Fachvertreter der Analytik war Gerold Wünsch. Frau Carla Vogt  hält seit Oktober 2001 eine Professur für Festkörperanalytik inne.

Quellennachweise

Sid Auffarth: Ein Schloss für die Nordstadt: das Chemiegebäude an der Callinstraße. In: Sid Auffarth, Wolfgang Pietsch: Die Universität Hannover. Ihre Bauten. Ihre Gärten. Ihre Planungsgeschichte. 2003, Michael Imhof Verlag, Petersberg. S. 183-189. 

Gerold Wünsch (red. Bearbeitung): Die Geschichte der Chemie an der Technischen Hochschule und Universität Hannover. 1999, Hannover. (Buch nicht im Handel: Bezug durch den Fachbereich Chemie).

Fotografien: Urheber der historischen Aufnahme unbekannt, restliche Bilder von Christian Schröder

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